EVN-Tinnitus im Stimmbruch?
Es wäre wohl zu schön gewesen … mit 9. Juni 2009 nahm die EVN das Mödlinger Biomasse-Kraftwerk “in City-Lage” wieder in Betrieb – und es blieb still. Anfangs fragte man sich noch “Ist es denn schon in Betrieb?” Nachdem aus dem Schlot mächtig Wasserdampf gemischt mit Restbeständen an Schadstoffen ausgestoßen wurde, gaben sich die Anrainer selbst die Antwort – “Wohl ja” – denn seitens der EVN erfolgte keine Information an die Anrainerschaft.
Wir erhielten Zuschriften wie “Endlich hören wir das Plätschern des Mödlingbaches wieder bei uns im Garten”, über “Es ist wie Urlaub, nur zu Hause”, “Herrlich”, “DANKE!”, auch “Wir wussten gar nicht mehr, dass man die Vögel bei uns so Zwitschern hört” usw. Zusammengefasst – der durch die EVN in Mödlinger Schul- und Wohngebiet gebrachte Industrielärm war der altbekannten, bis zur Kraftwerkserrichtung genossenen Lebensqualität gewichen – man konnte wieder Schlafen und musste nicht den ganzen Tag über Angst davor haben, wie wohl die kommenden Abend/Nachtstunden durch den EVN-Lärmterror gestaltet sein werden.
Vereinzelt hörte man Stimmen wie “Hoffentlich bleibt es auch so” oder “Wie wird es wohl im Herbst/Winter sein?” – als Mensch mit reichlich Lebenserfahrung wusste man – bloß nicht zu euphorisch sein, man weiß ja nie …
Dann kamen erste Berichte wie “Ein wenig hört man schon noch ab und zu, hoffentlich wird es nicht wieder mehr” – man wollte aber immer noch an den vollständigen Erfolg der Nachrüstungen glauben (und hoffen). Diese Hoffnungen zerplatzen wie eine Seifenblase in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 2009:
In den späteren Abendstunden ertönte ein dumpfes Dröhnen einem Nebelhorn nicht unähnlich, als ob jemand Luft über eine offene Flaschenöffnung bläst. “Das wird doch nicht … die EVN … nein … kann doch nicht ….” 15 Minuten später, nachdem man Nachtgewand mit Straßenkleidung gewechselt hatte wusste man – “Es ist … die … EVN ….!!” Das “Nebelhorn-Dröhnen” wollte nicht mehr weichen, leider fand man nicht ausreichend Polster im Bett wie man sich wünschte, um darin den Kopf zu vergraben und den alles durchdringenden Lärm auszusperren. Das dumpfe Dröhnen schwoll an, wurde schwächer um jedoch sogleich wieder an Intensität zu gewinnen – Foltermaßnahmen mit Lärm können auf Dauer nicht viel grausamer sein – zumal das Nebelhorn-Dröhnen durchaus noch lauter als bisherige Einzeltöne bzw. -Frequenzen erschien.
Die Situation ist nun wie es scheint die folgende – das breite Spektrum an “Industrie-Hintergrundrauschen” hat die EVN durch die Sanierung weitgehend in den Griff bekommen und (vorerst oder für immer?) abgestellt, der EVN-Tinnitus ist jedoch in den Stimmbruch gekommen, hat an Intensität gewonnen und ist nunmehr als “Nebelhorn-Ton” unterwegs, um Mödlinger Bürgern den Schlaf zu rauben … wer kann hier noch getrost vom “richtigen Standort für eine Industrieanlage dieser Größe” sprechen?
Nachtrag 25. Juni 2009: Möglicherweise war für die Lärmerscheinung 21./22. Juni 2009 ausnahmsweise NICHT das EVN-Kraftwerk Mödling schuld sondern Kanalsanierungsmaßnahmen der Fa. Strabag im Auftrag der Gemeinde, welche scheinbar nur nachts durchgeführt werden können und welche in dieser Nacht in der Friedrich Schiller Straße an der Sanierung gearbeitet hat.
Die Anzahl der eingetroffenen Mails nach dieser Nacht zeigt jedoch, wie sehr Lärm in diesem Bereich Mödlings in den letzten Jahren aufgrund der EVN zum Problem geworden ist und wie sensibel derzeit noch darauf reagiert wird. Dass eine Kanalsanierung ein Tonmuster erzeugt, welches dem “EVN-Tinnitus” aufs Haar gleicht und lediglich tiefer ist, konnte nicht erwartet werden und auch der nächtliche Spaziergang zweier Anrainer unabhängig voneinander hat jeweils zum Verdachtsmoment “EVN” geführt.
Es freut uns umso mehr, wenn wir uns tatsächlich getäuscht haben.
Schlagwörter: Bachgasse, Biomasse-Kraftwerk, Dröhnen, EVN, EVN-Tinnitus, Gesunder Schlaf, Holzkraftwerk, Josef Schleussner Straße, Kraftwerk Mödling, Lärmbelastung, Mödling, Raumplanung, Schulweg, Untere Bachgasse, Wohn- und Schulgebiet

25. Juni 2009 um 15:38
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